Culture

Nobelpreisträgerin Herta Müller in Straßburg

 

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Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller war am vergangenen Samstag Ehrengast bei der diesjährigen europäischen Literaturveranstaltung „Traduire l’Europe“, die vom 04. Bis 12. März unter anderem von der Stadt und der Universität Straßburg organisiert wurde.

Leben in der Diktatur

Zusammen mit ihrer Übersetzerin Nicole Bary hat sie an zwei Podiumsdiskussionen in der Médiatheque André Malraux teilgenommen, in denen sie über ihre Kindheit und Leben unter dem rumänischen Diktator Ceausescu als auch über ihren Werdegang berichtete. Demnach wurden bereits den Kindern im Kindergarten patriotische Lieder beigebracht und der Diktator als ihr „Vater“ bezeichnet. Müller betonte zudem den wahren Hintergrund  dieser „Vaterrolle“, da durch das Geburtengesetz Ceausescus, welches jede Frau zu mindestens fünf Kinder verpflichtete, der Diktator selbst indirekt zum „Vater“ auch unerwünschter Kinder wurde. Die Schriftstellerin erklärte während der Podiumsdiskussion zudem, dass sie nicht nur das rumänische Regime und dessen Geheimdienst als Gegner hatte, sondern auch Teile der deutschen Minderheit  gegen sie waren, da sie sich in ihren Büchern nicht explizit für diese ausgesprochen hatte: „Ich habe immer gegen das Regime gekämpft.“

Verleihung des Nobelpreises an eine Außenseiterin

Herta Müller ist eine deutsche, 1953 in Rumänien geborene Schriftstellerin, die 1987 nach Zensureingriffen in ihre Werke, politischen Verhören und Hausdurchsuchungen mit ihrem damaligen Mann nach Deutschland kam. Sie lebte dann in West-Berlin. Seit 1995 ist sie Mitglied der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“ und erhielt 2009 trotz ihrer Außenseiterrolle überraschend den Nobelpreis für ihre „intensive und sprachgewaltige“ Literatur, mit der sie hochgradig bildhafte „Landschaften der Heimatlosigkeit“ besonders über die rumänische Diktatur schuf. Damit ist sie die zwölfte Frau, die mit diesem Preis geehrt wurde.

Ihr Weg zur Schriftstellerin

Ihren eigenen Angaben nach, kam sie Ende der Siebziger Jahre zum Schreiben, da sie sich weigerte, für den Geheimdienst zu arbeiten und als Strafe dafür Übersetzungen anfertigen musste.  Nach ihrer Entlassung betrachtete sie sich als Schriftstellerin. 1982 erschien ihr erstes Buch „Niederungen“ in der zensierten Fassung in Rumänien, zwei Jahre später dann vollständig in ihrer neuen Heimat Berlin.

In ihrem aktuellen Roman „Atemschaukel“ von 2009, beschreibt die Autorin eindrucksvoll die Deportation eines jungen Mannes in ein sowjet-ukrainisches Arbeitslager, während des zweiten Weltkrieges.

Müllers Werke wurden in 24 Sprachen übersetzt.

 http://www.hanser-literaturverlage.de/buecher/buch.html?isbn=978-3-446-23391-1

 

Constanze Knothe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mehr Informationen über Ceausescu  und das Ende seiner Diktatur 1989 finden Sie hier.

Zwei Artikel aus der ZEIT für „Pro“ und „Contra“ Herta Müller hier.

Herta Müller über den Literaturnobelpreis: Link

 

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