Clin d'oeil

Hoppla, on est en Alsace !

 „Elsassisch heisse de Dialäkt, wo mer im Elsass redt.“, heißt es auf der elsässischen Wikipediaseite. Gemeint ist ein Sammelbegriff für die geografisch, politisch und kulturell bestimmten Mundarten, der im Elsass gesprochenen alemannischen und fränkischen Dialekte. Der Name „Elsass“ stammt  übrigens möglicherweise aus dem Althochdeutschen „ali-saz“ und bedeutet „Fremdsitz“.


Das Elsass ist flächenmäßig die kleinste Region auf dem französischen Festland und liegt zwischen den Vogesen und dem Rhein. Mit nur 1,8 Millionen Einwohnern hat die Region jedoch das zweithöchste Bruttoinlandsprodukt Frankreichs. Es ist eine Region  reich an verschiedenen Wirtschaftszweigen, wie vor allem des Weinanbaus oder der Bierbrauerei, als auch der Automobil- und Chemieindustrie. Der Tourismus spielt ebenso eine entscheidende Rolle, da das Elsass gleichsam als „Schlemmerregion“ und kulinarische Hochburg in Frankreich gilt. Bekannt ist es vor allem für seine zahlreichen Spezialitäten wie den „Flammekuech“ (Tarte flambée), das „Sürkrüt“ (Choucroute) oder das „Baeckeoffe“ – die typischen Hauptgerichte, ebenso wie für die „Bredele“ (Plätzchen) zu Weihnachten, seine „Tarte aux quetsches“ (Zwetschgentorte) und das „Eau de vie d’Alsace“, welches jedem Magen nach dem Essen hilft. Ganz zu schweigen vom intensiv riechenden „Munster“-Käse. "In Deutschland ist das Essen reichlich, aber nicht gut. In Frankreich ist es gut, aber nicht genug. Im Elsaß ist das Essen reichlich und gut!" sagt schon ein altes Sprichwort. Auch der Autor von Gastronomie alsacienne François Voegeling stellte fest, dass der „elsässer Appetit qualitativ etwas über dem nationalen Durchschnitt“ liegt. Essen gehen ist folglich in der Region eine feste Tradition: "Esse un trinke halt Lib un Seel zamme“.

Une histoire partagée

Die politische Grenze des Elsass wurde oft verändert, ebenso wie die Region schon allein 1919, 1940 und 1944 wechselnde Staatszugehörigkeit hatte. Es galt teilweise sogar als eine Art „Kolonie“, in der die Einwohner je nach Besetzung, wie zum Beispiel in „Elsass-Lothringen“ entscheiden konnten, ob sie deutsche Staatsbürger werden wollten oder lieber französische Staatsbürger blieben und die Region verließen. Die Menschen sahen sich starken Germanisierungs- und Assimilationsversuchen ausgesetzt und konnten meist nur noch in der Schule Französisch sprechen.

Während der Besetzung durch die Nazis wurde diese Germanisierung noch gewaltsam verschärft und fand erst 1945 mit dem Einmarsch der Alliierten ein Ende. Seitdem bildet das Elsass mit seiner Regionshauptstadt Straßburg zusammen mit den Benelux-Staaten seit 1979 die Kernregion der Europäischen Union. Straßburg ist heute sogar Tagungsort des europäischen Parlaments.

Une question de langue(s)

Im Elsass lernten im Jahre 2010 rund 48% der Vorschulkinder und 91% der Grundschulkinder in ihrer Schule Deutsch. Diese Werte liegen weit über dem französischen Durchschnitt. Allerdings besteht derzeit ein Lehrermangel, der diese Bildungstradition bedroht.  Der Vorsitzende der Vereinigung für elsässische Sprache und Kultur, Gérard Cronenberger betonte beispielsweise, dass der elsässische Dialekt „eine Bereicherung ist“ und es „leichter mache, Deutsch zu lernen.“  Auch die Parlamentarier unterstützen diese Meinung, da die „Regionalsprachen zum Erbe der Nation gehören“. Die Nation selbst jedoch hält lieber an ihrer Tradition fest: „die Sprache der Republik ist Französisch“.

 

Einige Auszüge elsässischer Poesie und Literatur:

 „Isszitt“: „S’isch kalt drüsse, isskalt! Un wenn von de Kerichühre d’Schläg erab rolle, verkleppere se in de Stross und verfahre wie d’Isszäpfe, wie sich von Büchieslidach leese und ins gefrorene Dräckgräwel falle. S’isch still, drüsse, isstill! (…) “, Emilienne Kaufmann

„ D nämlig Rass“: „Mir sin Elsässer, sait do diä Fraü, mir verstehn scho Ditsch ... Mir sin aü keini rächte Ditsche, sag i do, mir kumme numme vu äne am Rhiin ... Un sälli Fraü sait drno: No simmer d nämlig Rass ...“ - Harald Noth

„Schwárzi sengessle flàckere ém wénd - En elsässisches Requiem“: „Mànichmool glaawi, 's hängt mr noch ebbs ém ohr/ vun denne germurmelde werter,wu längscht vergesseni stémme friher/ ganz lîsli henn gsààt: so rieselt dr làndraaje em spootjohr/geduldi durich dérri bletter, àm ràndd vum gröje laubwàld, wu 's Rootbächel rüscht, miseleschtéll wie soot, gànz tief dort drunte/ ém schwàrze sengessel-pfààd (...)“ - Claude Vigée

 


Für weitere Informationen:

Kostenloser Elsässisch-Sprachkurs hier

Online-Wörterbuch Elsässisch hier.

Elsässer Tageszeitung auf Französisch: Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA)

„Musée Alsacien“, 23-25 quai Saint-Nicolas à Strasbourg

 

 Ein besonderer Hinweis ist "D´r Liederbrunne", welchen Sie hier finden.

Die Homepage des Vereins „D´r Liederbrunne“ ist auf den ersten Blick kaum zu entziffern. Hier können sich Liebhaber dieser Mundart des Alemannischen auf Elsässisch austauschen. Vor allem eines haben hier alle gemeinsam: Man teilt die Begeisterung für elsässische Lieder. Ziel dieses Vereins ist es, Liedermacher zu unterstützen und die Musik aus dieser kleinen Grenzregion in Deutschland und Frankreich am Leben zu erhalten.

 

 

Constanze Knothe

Kathrin Kick und Hanna Becker

 

Ressources complémentaires

Podcasts :

KÜLTÜR - Teil 3: Hoppla, on est en Alsace
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Les spécificités alsaciennes vues par ses habitants.

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